Windeln auf Rezept - so geht's

Blasenschwäche & unkontrollierter Harnverlust sind eine anerkannte Krankheit, erfahren Sie mehr über die Ansprüche durch die gesetzliche Krankenkasse

Windeln auf Rezept - so geht's

Inkontinenz ist nach wie vor ein Thema, über das man nicht gerne spricht. Besonders Betroffene selbst schämen sich dafür und brauchen oft lange bis sie sich einem Arzt anvertrauen.

Blasenschwäche und unkontrollierter Harnverlust ist eine anerkannte Krankheit, daher haben Betroffene Anspruch auf Unterstützung durch die gesetzliche Krankenkasse.

Windeln auf Rezept – Wer hat Anspruch?

Die Kosten für Windeln werden generell von der zuständigen Krankenkasse übernommen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass mindestens eine mittelgradige Inkontinenz vorliegt. Dabei ist es nicht relevant, ob die Inkontinenz den Darm- oder Harntrakt betrifft.

Eine mittelgradige Harninkontinenz liegt bei Ausscheidungen mit 100 ml innerhalb von 4 Stunden vor.

Zuzahlung und Aufzahlung bei Windeln auf Rezept

Auch wenn Windeln auf Rezept verordnet werden, müssen in manchen Fällen Zuzahlungen geleistet werden.

Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr müssen 10 % des Wertes selbst begleichen, mindestens € 5, jedoch maximal € 10 pro Monat. Für Kinder muss keine Zuzahlung geleistet werden.

Aufzahlungen kommen nur zum Tragen, wenn der Versicherte ein höherwertiges Produkt, als das von der Krankenkasse zur Verfügung gestellte haben möchte.

Welche Erwachsenenwindeln auf Rezept gibt es

Windeln für Erwachsene und Senioren gibt es in verschiedenen Ausführungen, Größen und Saugstärken. Grundsätzlich unterscheiden sie sich nicht großartig vom Aufbau einer Kinderwindel, sind jedoch an den Erwachsenenkörper angepasst und haben ein höheres Fassungsvolumen.

Grundsätzlich gibt es Windeln in den Größen XS bis XL, jedoch sind auch Sondergrößen möglich. Die richtige Größe der Erwachsenenwindeln wird anhand des Hüftumfanges eruiert, dazu wird das Maßband über dem Beckenknochen angelegt. Bei der Größenwahl sollte bei jedem Hersteller die Größenangaben genau gelesen werden, da es hier zu Unterschieden kommen kann.

Manche Betroffene müssen erst einige verschiedene Modelle probieren, um im Endeffekt die für sie passenden Artikel zu finden. Es empfiehlt sich zudem, da die Anforderungen an die Produkte zwischen Tag und Nacht variieren.

Nachts werden oft Windeln mit einer höheren Saugstärke benötigt als unter Tags. Tagsüber wiederum benötigen Betroffene oft mehr Komfort und eine körperbetonte Hose, die man durch die Alltagskleidung nicht erkennt.

Die verschiedenen Saugstärken bei Erwachsenenwindeln
Erwachsenenwindeln gibt es in verschiedenen Saugstärken, die in der Regel nach dem Rothwell-Tauchtest (ISO 11948-1) angegeben werden. Einige Hersteller verwendet jedoch auch andere Angaben, sodass unbedingt darauf geachtet werden sollte, wieviel Milliliter Saugleistung in der jeweiligen Stärke angegeben ist.
Die Saugleistung kann auch aufgrund der Körperhaltung variieren. So fasst eine Windel im Stehen mehr Flüssigkeit als im Sitzen, da hier Druck auf das Produkt ausgeübt wird. Viele Produkte arbeiten auch mit Nässeindikatoren, die durch farbliche Markierungen anzeigen, wann das Fassungsvermögen des Produktes erreicht ist.

Schwere der Inkontinenz

Urinverlust innerhalb von 4 Stunden

Empfohlene Saugfähigkeit des Produktes

Tröpfcheninkontinenz

Bis 50 ml

Bis 150 ml

Leichte Inkontinenz

50 – 100 ml

150 – 300 ml

Mittlere Inkontinenz

100 – 200 ml

300 – 750 ml

Schwere Inkontinenz

Mehr als 200 ml

Ab 1000 ml

Totale Inkontinenz

unkontrolliert

Mehr als 1500 ml

 Die Saugleistung richtet sich auch nach der Agilität des Patienten. So sind während des Tages geringere Saugstärken notwendig, da die Windeln öfter gewechselt werden können.

Nachts jedoch empfehlen sich Produkte mit einer höheren Saugleistung, da diese in der Regel mehr Volumen aufnehmen müssen. Zusätzlich können auch weitere Produkte, wie Schutzauflagen für die Matratze eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

Kinder Windeln auf Rezept

Auch Kinder können unter bestimmten Umständen Windeln auf Rezept erhalten. Nässt ein Kind ab dem vollendeten 3. Lebensjahr noch ein, können Windeln und andere Hilfsmittel über die Krankenkasse bezogen werden. Dies gilt auch wenn keine Erkrankung oder Behinderung vorliegt.

Wie bekomme ich Windeln auf Rezept

Haben Sie den Verdacht an Inkontinenz zu leiden, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Vertrauensarzt. Dieser wird anhand einer Anamnese und einer Untersuchung die Schwere der Inkontinenz feststellen und dementsprechend ein Rezept ausstellen.

Dabei schätzt der Arzt den Bedarf anhand der Schwere und Art der Inkontinenz. Sollten Sie mehr Inkontinenzmaterial benötigen sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt, er kann die Verordnung dementsprechend ändern.

Was unbedingt am Rezept vermerkt sein sollte

Windeln sind nicht gleich Windeln. Um sicherzugehen, dass Sie keine für Sie unpassenden Produkte erhalten oder Sie für zusätzliche Kosten aufkommen müssen, muss das Rezept für die Windeln richtig ausgefüllt sein.

  • Das Kästchen Nummer 7 muss angekreuzt sein.
  • Die Bezeichnung des Produktes sollte wenn möglich genau angegeben werden.
  • Die Größe und Saugstärke, sowie die notwendige Stückzahl muss vermerkt sein.
  • Ganz wichtig ist auch der Verordnungszeitraum.
  • Ebenfalls ist eine Begründung für die Verordnung notwendig.

Wo bekomme ich Erwachsenenwindeln auf Rezept

Jede Krankenkasse hat Verträge mit verschiedenen Sanitätshäusern und Apotheken. Fragen Sie daher unbedingt vor einer etwaigen Bestellung bei Ihrer Krankenkasse nach, bei welchen ihrer Vertragspartner Sie das Rezept einlösen können. Andernfalls müssen Sie für die Produkte selbst aufkommen.

Auch bei Inkontinenzprodukten auf Rezept müssen Versicherte eine gesetzliche Zuzahlung zwischen € 5 und € 10 pro Monat leisten.